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Öffne Dich! - Effata

Öffne Dich! - Effata


# Spirituelle Impulse - St. Cäcilia
Veröffentlicht am Montag, 6. September 2021, 16:30 Uhr

Predigt am 23. Sonntag

Öffne dich! – Effata

In wenigen Tagen gedenken wir im Bistum des 100. Geburtstags von Alfred Kardinal Bengsch. Einige von Ihnen haben vielleicht persönliche Erinnerungen an ihn. Als Kardinal Bengsch starb, war ich noch im Kindergarten. Ich kann mich nur schemenhaft an ihn erinnern, sehr verschwommen.

Er hatte eine ganz besondere Gabe: er konnte so zu den Menschen reden, dass sie es gut verstehen konnten. Er hat versucht, das Wort Gottes in eine Zeit hinein zu rufen, von der er sagte: die Menschen wollen das Alte nicht mehr hören.

Aber es gibt das Wahre und Richtige nun einmal, auch wenn die Zeiten sich ändern.

Kardinal Bengsch hat sich vor den Menschen nicht gefürchtet, er mochte es, bei ihnen zu sein. Aber um die Sprache, die richtigen Worte, die die Menschen berühren, darum hat er immer gerungen.

Im heutigen Evangelium von der Heilung eines Gehörlosen, spricht Christus den Mann an und zwar in seiner Muttersprache.

Es heißt, der Gehörlose lebte in der Dekapolis, jenseits des Jordan. In einer Gegend, die nicht jüdisch geprägt war. Vermutlich konnte der Gehörlose, selbst wenn er noch schwache Hörreste hatte, nicht verstehen, was Jesus zu ihm sagte.

Und doch scheint es Jesus wichtig gewesen zu sein. Einige Abschnitte vor dieser Heilung haben wir etwas anderes gelesen. Alle, die nur den Saum seines Gewandes berührten, wurden geheilt.

Jesus hätte also auch dem Ausländer nur von Ferne das Gehör schenken können.

Stattdessen spricht er zu ihm in einer ihm unverständlichen Sprache, er lässt ihm eine besondere Behandlung zukommen, berührt die Zunge mit Speichel, berührt die Ohren.

All das muss eine Bedeutung haben.

Gestern war ich mit unseren Firmlingen zur Jugendvigil im Kloster Neuzelle. Draußen vor der Kirche wurde schon eine große Bühne aufgebaut für die Bistumswallfahrt des Bistums Görlitz unter freiem Himmel – mit Mindestabständen: Coronabedingungen.

Die Jugendvigil wurde von den Patres sorgfältig vorbereitet, mit Kerzen, mit jugendgemäßen Liedern – vor allem aber mit einem ergreifendem Glaubenszeugnis von P. Kilian, der von seinen Schwierigkeiten mit seinem Vater und auch von der Versöhnung und vom Tod seines Vaters vor ein paar Monaten berichtete.

Das Wort „Öffne dich!“ kann man einem Menschen nicht im Vorbeigehen zurufen. „Mach schon! Sei mal locker!“ – das wird keinen Erfolg haben.

Es braucht die Pflege, die Berührung, die „Therapie“. Der zu heilende muss das Gefühl bekommen, hier sorgt sich jemand um mich. Er meint es ernst mit mir.

Erst dann bekommt er den Mut, sich auch tatsächlich zu öffnen.

Ich habe den Eindruck gewonnen: auch unsere Firmlinge haben – wenigstens zum Teil – Mut bekommen, sich für einander und auch für Gottes Wort zu öffnen.

Das verdanken wir dem Einsatz und den starken Glaubenszeugnissen der Patres in Neuzelle.

Sie haben uns erzählt, was sie planen und vorhaben. Ein neues Kloster für unsere Zeit – für unsere Gegend.

Das ist mehr als mutig. Und doch haben wir gespürt: sie meinen es ernst. Sie möchten bei uns sein und möchten hier in diese Welt den Glauben an Christus hineintragen. So wie einst Kardinal Bengsch es getan hat.

Mögen sich viele Menschen für Christus öffnen. Er ist unser Retter, unser Heiland. Er will uns nahe sein, er möchte uns zum Vater führen.

Schenke uns – o Herr – das gleiche Vertrauen, das den Gehörlosen aus der heidnischen Dekapolis erfüllt hat. Lass uns dein Wort neu hören. Es stammt aus einer anderen Zeit, es stammt aus einer anderen Welt und hat doch auch heute die Kraft uns anzurühren. Lassen wir es zu: Effata – öffne dich! Ja – Herr, öffne du mich! Amen.